Sommerausflug der VCC nach Bretten und zur Sternwarte Kraichtal

Bereits vor 9.00 Uhr wartet eine gutgelaunte Schar von Verbandsbrüdern und Waffenbrüdern des AHSC mit ihren Frauen und als einzige Jugendliche Cora Bolch ungeduldig auf die Ankunft des Busses, der uns den gesamten Tag begleiten soll. Pünktlich können wir schließlich den Bus am Hauptbahnhof in Richtung Kraichgau bei trockenem und freundlichem Wetter besteigen.

Die Führung durch die Altstadt von Bretten beginnt am historischen Markt mit seinen bestens restaurierten Fachwerkhäusern. Die Stadt ist mehr als 1250 Jahre alt. Als ältestes Haus wird uns das restaurierte Hotel Krone vorgestellt, in dem 1550 Kaiser Karl V. logierte. Von dem frühneuzeitlichen Marktbrunnen blickt Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz, der von 1544 – 1556 regierte. Von 1349 bis 1802 gehörte Bretten zur Kurpfalz, deshalb existiert im Stadtwappen die Wittelsbacher Raute. Ab 1802 wurde Bretten badisch. 1689 wurde die Stadt von den Franzosen in Brand gesteckt. Nur wenige Häuser entgingen der Zerstörung. Bei unserem Rundgang durch die Stadt treffen wir zunächst auf die Stiftskirche. Ein Teil des Turms der Stiftskirche diente zuvor als Bergfried der Stadtburg, dieser Turm wurde in die Kirche übernommen. Am heutigen Kirchturm sind romanische Ursprünge erkennbar, das Kirchenschiff stammt aus der Zeit der Gotik. Auf der Rückseite ist das Urbild des „Brettener Hundle“ zu betrachten. Nach der Sage wurde die Stadt 1504 belagert. In aussichtloser Lage hat der gut gefütterte Hund die Stadt vor Eroberung und Plünderung bewahrt, denn der württembergische Herzog Ulrich zog wieder ab bei dieser vermeintlich hervorragenden Versorgungssituation der Stadt. Auf dieses Jahr 1504 geht das jährlich stattfindende Peter-und-Paul-Fest zurück, das immer am Wochenende nach dem kirchlichen Peter-und Paul-Tag gefeiert wird.

Beim weiteren Rundgang treffen wir auf das Amtshaus von 1783 im klassizistischen Baustil. Hier war der kurpfälzische, später der badische Oberamtssitz untergebracht. Das Schweizer Haus wurde 1707 von einer Familie, die aus der Schweiz zugereist war, nach dem Brand wiederaufgebaut, früher war es der Zehnthof des Nonnenklosters Frauenalb. Durch eine Bürgerinitiative wurde dieses Haus 1997 – 2001 saniert. In den 4 oberen Stockwerken sind heute das stadt- und regionalgeschicht-liche Museum untergebracht. Im Erdgeschoss wird eine Gaststätte betrieben. Schließlich treffen wir wieder am Marktplatz ein und betrachten das Melanchthonhaus, das 1897 – 1903 anlässlich des 400. Geburtstags des größten Sohnes der Stadt, Philipp Melanchthon, an der Stelle seines früheren Geburtshauses errichtet wurde. Der Reformator, Humanist und engste Mitarbeiter von Martin Luther wurde hier 1497 als Philipp Schwarzerdt geboren. Der Name wurde später ins Griechische übertragen: Melan – chthon, das bedeutet „Schwarze Erde“. Nach dem Studium in Heidelberg und Tübingen wurde er 1518 auf den Griechisch-Lehrstuhl in Wittenberg berufen. Melanchthon verstarb 1560 in Wittenberg. Im Melanchthonhaus werden wir durch die Humanisten-, Theologen-, Fürsten- und Städtezimmer mit zahlreichen Wappendarstellungen geführt. Teile der Bibliothek können wir bewundern, die Bibliothek umfasst 9000 Bände und 450 Originalhandschriften.

Im Anschluss an diesen umfassenden Spaziergang durch die Stadt und die Geschichte treffen wir erholungsbedürftig im Spargelhof Böser in Forst ein. Dort werden wir mit herrlichen Spargelgerichten und Getränken nach Wahl verwöhnt. Für ein Erdbeerdessert reicht die Zeit allerdings nicht mehr. Denn wir werden zur nächsten Führung in der Sternwarte Kraichtal erwartet. Hier hat Roland Zimmermann, Erbauer und Betreiber der privaten Sternwarte, ab 1997 auf 4000 qm zwischen Weinbergen einen Astronomie-Park mit astronomischen Modellen erstellt.

Anhand der Modelle vermittelt er einen Eindruck von den schier unvorstellbaren Weiten unserer Milchstraße, einer von Milliarden Galaxien des Universums. Unser Sonnensystem gehört dieser Milchstraße an. Kernstück der Sternwarte ist das mechanische Planetarium mit der Sonne und ringsum 9 Planeten. Ein weiteres Modell, der Planetenweg, macht die Planeten und ihre Distanzen im Sonnensystem begreifbar. Da wir die Sternwarte tagsüber und mit wolkenverhangenem Himmel erleben, der wider Erwarten auch kurz aufreißt, können wir den Sternenhimmel durch die Teleskope nicht erkunden. Trotzdem sind alle Teilnehmer beeindruckt von der Astronomie, die uns Roland Zimmermann in humorvoller, robuster und umarmender Gestik, vorwiegend bei Frauen, als Modellen für Himmelskörper, näher bringt.

Nach so vielen unvorstellbaren Details unserer Galaxie und des zugehörigen Sonnensystems kehren wir zufrieden in die Besenwirtschaft „Hexenbesen“ ein, um den Tag in angenehmer Atmosphäre und Sorge um das leibliche Wohl ausklingen zu lassen. Schließlich erreichen wir ermüdet und immer noch gut gelaunt dank des abwechslungsreichen Tages unseren Ausgangspunkt, den Busbahnhof in Karlsruhe, gegen 20 Uhr und verabschieden uns herzlich auch von unseren Gästen des AHSC.